ZURÜCK ZUM "WIR": ÜBER UNSEREN WEG VOM ELTERN SEIN ZURÜCK ZUM PAAR

23.07.2018

 

Seine Hand lag auf meinem Bauch, er streichelte ihn, massierte ihn, redete unserer Perle im Bauch gut zu. Er sah mich an, ich sah ihn an, unsere verliebten Blicke trafen sich, wir küssten uns, wir waren unendlich glücklich. Glücklich, bald eine Familie zu sein. Die Zeit der Schwangerschaft mit unserer Perle hat uns als Paar über unsere eigenen Grenzen der Liebe zueinander hinauswachsen lassen. Eigentlich dachte ich, dass meine Gefühle zu meinem Mann mit unserem Ehegelübde an unserer Hochzeit im Jahr 2016 nicht noch stärker werden könnten. Ich hatte mich getäuscht. Und zwar massiv. Denn die Liebe kennt keine Grenzen. Und meine Liebe zu meinem Mann und Vater meiner sechsmonatigen Perle schon gar nicht. Heute weiss ich wahrhaftig, dass wir jede Herausforderung schaffen, solange wir sie gemeinsam antreten, Hand in Hand, komme was wolle. Ich fühle es, weil wir eine der härtesten Etappen als Paar überstanden haben: die Zeit nach der Geburt. Wir sind an den Punkt zurückgelangt, wo wir einst waren: zurück zum "Wir".

 

Manch eine(r) mag jetzt denken: "Das ist doch keine grosse Sache, die Zeit nach der Geburt". Falsch gedacht. Denn von wie vielen Paaren wissen wir aus unserem Umkreis, aus dem TV, aus den Klatschheftchen am Kiosk und ja, sogar aus Youtube, dass sich die grössten Liebesgeschichten mit der Geburt eines Kindes dem Ende zugeneigt haben? Von unzähligen. Die Gründe für die unerwarteten Trennungen sind oft dieselben: mangelnde Kommunikation, Überforderung mit der neuen Situation, Unsicherheiten bezüglich Elternskills und natürlich die fehlende Zeit als Paar. Als ich im dritten Trimester der Schwangerschaft war, haben mein Mann und ich oft über die neue Herausforderung als Eltern gesprochen. Nächtelang haben wir uns Szenarien ausgedacht, wie es wohl sein würde mit unserer Perle. Ob wir uns verändern würden? Ob unsere Liebe zueinanander dem endlosem Schlafmangel, der Gereiztheit und gar Genervtheit standhalten würde? Fragen über Fragen, deren Antworten wir uns nur erträumen konnten. Denn die Realität spielt sich am Ende doch anders ab, als in unseren Vorstellungen. Eines jedoch hatten wir uns aber geschworen: Jederzeit aufrichtig zu sein und einander über unsere Gemütslagen zu informieren. So und nicht anders, haben wir die vergangenen sieben Jahre unserer Beziehung trotz unzähliger Hochs und Tiefs überstanden: mit direkter Kommunikation.

 

Und der Moment kam: Unsere Perle war geboren. Sie änderte einfach alles. Über Nacht wurden wir vom Paar zu Eltern. Dieses Gefühl war magisch. Die neue Rolle als Elterneteile übernahm von jetzt auf gleich die Kontrolle über unser Leben, über unser Selbst, über uns. Die Geburt unserer Perle hatte unsere Verbundenheit auf Ewigkeit besiegelt. Kein Streit, keine Trennung und keine Scheidung der Welt könnte diese Verbundenheit auflösen. Und doch waren die ersten Monate als frischgebackene Eltern die grösste Herausforderung in der Geschichte unserer Zweisamkeit. Am Anfang lag der Fokus nur auf unserer Perle. Das Allerwichtigste war, dass es ihr gut ging. Unser Augenmerk lag auf ihr, nicht auf uns als Individuen und schon gar nicht auf uns als Paar. Und so wundervoll diese Momente als neue Familie waren, so wenig hatten wir Zeit, uns umeinander zu kümmern. Wir hatten unser Versprechen aber nicht gebrochen und erzählten einander häufig von unseren Gemütslagen. Ermüdung, Überforderung, zu wenig Ich-Zeit und dann auch die abrupt inexistente Wir-Zeit prägte die ersten beiden Monate nach der Geburt. Das Problem war, dass mein Mann mit seinem 100%-Job, den er nach drei Tagen nach der Geburt wieder antreten musste, und ich mit meinem 24-Stundenjob als Mama nicht noch die Kraft hatten, uns zusätzlich um diese Unzufriedenheiten zu kümmern. Geschweige denn, endlos darüber zu reden. Es bestand Klärungs- und Handlungsbedarf.

 

Als dann die neunte Lebenswoche unserer Perle angebrochen war und wir uns schon beinahe vollends an unsere neue Lebenssituation gewöhnt hatten, überraschte ich meinen Mann am Feierabend mit einem kreativen Spiel. Aus farbigen Blättern hatte ich Karteikarten geschnitten, vier für jeden von uns. Dazu einen Stift. Der argwöhnische Blick meines Mannes ist wohl zu gut vorstellbar. Die Aufgabe war, dass jeder von uns auf seinen jeweiligen vier Karteikarten die für ihn wichtigsten Wünsche für a) sich als Individuum, b) uns als Paar, c) seine bessere Hälfte und d) uns als Familie aufschrieb. Ganz nach dem Motto "Nicht reden, machen" haben wir uns dann separat im Wohnzimmer hingesetzt und unsere Wünsche aufgeschrieben. Sobald wir fertig waren, erzählten wir einander, was wir notiert hatten, während das Gegenüber schweigen und zuhören musste. Und man wird es nicht glauben, aber unsere Wünsche waren praktisch identisch. Ganz dick geschrieben war bei beiden "mehr Wir-Zeit". Es war also offensichtlich, dass wir uns als Paar vermissten und unsere Wir-Zeit zu kurz kam. Das musste schleunigst geändert werden, bevor wir uns voneinander entfernten, weil wir uns nur noch auf die Rolle als Elternteile konzentrieren würden. Mit diesem simplen Spiel war das Eis gebrochen. Dinge, die wir trotz unserer regelmässigen Gespräche stillschweigend in uns hineingefressen hatten, waren jetzt ausgesprochen und vom Tisch.

 

Fortan haben wir uns viel Zeit für unsere Wünsche genommen, räumen einander so gut es geht die Ich-Zeit im Alltag ein und wechseln uns dabei mit unserer Perle ab. Was die Wir-Zeit betrifft, so haben wir gelernt, dass wir nur dann gute Eltern sein können, wenn Mama und Papa vollends glücklich sind, und zwar jeder für sich, aber auch miteinander. Seit ihrem dritten Lebensmonat nun wird unsere Perle regelmässig (1-2 Mal die Woche) von ihren Omas für einen halben Tag verwöhnt, damit Papa während seiner Zimmerstunde seine Ich-Zeit geniessen und ich als Mama zu meinen Pferden reiten gehen kann. Für richtige Qualitytime als Paar haben wir uns bisher drei Date Nights herausgenommen, in denen wir unsere Perle über Nacht zu ihren Omas gegeben haben. Auch wenn es nicht jedes Mal Ramba Zamba in der Stadt war und wir einmal davon um 22.00 Uhr groggy ins Bett gefallen sind, so haben wir diese Abende und Nächte sehr genossen. Denn so unglaublich gerne wir mit vollem Herzblut Eltern sind, so wichtig ist uns das Wohl unseres Partners und die Erhaltung unserer Liebe zueinander. Denn ohne diese Liebe, wäre unsere Perle nicht in unserem Leben.

 

Bild © Niels Franke Photography Bild © Hotel Mama Mia

 

 

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