MAMA SEIN - DER HÄRTESTE JOB DER WELT

15.06.2018

 

 

Mama zu sein ist das grösste Glück, das mir in meinem bisherigen Leben zuteil wurde. Es ist wundervoll, einzigartig und mit unendlicher Liebe erfüllt. Ich liebe meine Perle mehr, als Worte beschreiben können und würde ohne zu zögern mein Leben für sie geben. Sie ist mein Ein und Alles.

 

Jetzt kommt das grosse Aber.

 

Mama sein ist auch hart. Es gibt sie, die Kehrseite der Medaille, und zwar nicht zu knapp. Viel zu selten wird in der Öffentlichkeit und auf Social Media darüber gesprochen, wie anstrengend der Mama-Job ist. In diesem Beitrag möchte ich Tacheles reden und diejenigen Dinge ansprechen, die nur ungern nach aussen getragen werden. Was ich gleich erzähle, beschreibt seltene Momentaufnahmen, keine Dauerzustände. In der Hoffnung, dass ich mich mit meinen Gefühlen und Gedanken nicht alleine auf der Welt befinde, beleuchte ich gleich die harten Zeiten des Mamalebens. Ich will kein Mitleid, sondern erzähle lediglich die Wahrheit. Los geht's:

 

Die Haare sind fettig, die Kleider stinken nach Erbrochenem und der Wäschekorb schreit täglich nach einem Waschgang. Die Antennen laufen 24 Stunden auf Hochtouren, der Energiehaushalt läuft permanent am Limit und die Kaffeemaschine ist zu meiner besten Freundin mutiert. Back in Shape? Das ich nicht lache. Noch nie war das Abnehmen so schwierig. Ganz zu schweigen von meiner einst straffen Haut, die aktuell noch immer einem Slimy gleicht. Auch wenn ich schon fast wieder auf meinem Anfangsgewicht vor der Schwangerschaft bin, sitzen die Kilos auf meinen Hüften, als hätten sie es sich mit Popcorn auf dem Sofa gemütlich gemacht. Kein Wunder, denn Zeit zum Kochen ist eine Rarität und wenn ich es mal schaffe, dann wird das Essen meist kalt und zu den unmöglichsten Tageszeiten gegessen.

 

Unsere Perle schreit. Sie leidet an Koliken, fängt an zu Zahnen und verträgt die aktuellen Wetterwechsel überhaupt nicht. Die letzten beiden Wochen waren ein Wettspiel. Gespielt wurde um die Frage, wie schlimm der Tag wohl werden würde. Selbst wenn ich dachte, schlimmer als heute geht es nicht, dann erhielt ich nächstentags den Gegenbeweis. Zeitgleich zu ihrem Leiden hatte ich mir eine Mittelohrentzündung eingefangen. Meine Hausärztin meinte: "Sie müssen sich unbedingt schonen." Ich lachte innerlich. Wer bitteschön übernimmt denn meinen Mama-Job? Ein Arztzeugnis bringt mir nichts, denn ich bin schliesslich meine eigene Chefin zu Hause. Anders, als wenn man in einem Unternehmen angestellt ist, existiert das Wort "krankgeschrieben" im Mama-Job nicht. Ganz abgesehen davon, dass ich dafür auch keinen Lohn erhalte. The Show must go on.

 

Meine Perle schreit wieder. Ich nehme sie auf den Arm. Sie schreit mir mitten ins Ohr, auuu! Der Tinitus setzt ein. Ich habe Schmerzen, sie hört nicht auf zu schreien. Ich versuche ruhig zu bleiben, rede beschwichtigend auf sie ein. Es hilft nicht, sie schreit weiter. Ich lege sie auf die Wickelkommode, mache ihr eine Bauchmassage, doch sie schreit noch lauter. Ich nehme sie in die Babytrage, um sie nahe an meinem Körper zu haben und sie zu beruhigen. Dazu gebe ich ihr einen gekühlten Beissring ins Maul. Hilf nichts. Ihr Schreien gleicht mittlerweile einem Todesschrei. Einpacken, in den Kinderwagen und spazieren gehen. Sie schläft für zwanzig Minuten ein. Gott sei Dank! Kaum an der Haustüre angelangt schlägt sie die Augen auf, schaut mich an und das Spiel geht von vorne los. Schreien, schreien, schreien. Und da kommt er, der Moment, für den ich mich im Nachhinein selber hasse: Meine Perle nervt mich!

 

Verzweiflung, Versagensängste und Selbstbewusstseinsmängel prägen mein inneres Gemüt an solchen Tagen. Meine kleine Perle schreit und weint. Ein Zeichen, dass sie mich braucht. Und ich? Ich bin genervt, am Ende mit den Kräften und wünsche mir nichts sehnlicher, als eine Minute die Augen zu schliessen und meinen Energiemangel mit einem Sekundenschlaf auszugleichen. An manchen Tagen dauert das Schreien stundenlang, sodass ich mich - und ich gebe es zu - auch mal für fünf Minuten ins Bad einschliesse, um in Ruhe durchzuatmen und nicht gleich in Tränen auszubrechen. Ich fühle mich schuldig und bin wütend auf mich selbst. Versage ich als Mama? Bin ich gar eine schlechte Mama? Diese Fragen schwirren mir in solchen Momenten durch den Kopf und zerbrechen beinahe mein Herz.

 

Ich bin unendlich froh, meine Gemütslage, Sorgen und Ängste frei von der Leber weg meinem Mann, meinen Freundinnen und unseren Familien berichten zu können, ohne dafür verurteilt zu werden. Ganz im Gegenteil. Sie sprechen mir Mut zu, können sich in mich hineinfühlen und unterstützen mich, wo sie nur können. Gerade beim Thema "fünf Minuten ins Bad einschliessen" sagte mir meine Freundin erst kürzlich: "Das nennt man Überleben." Ihre Worte waren Balsam für meine Seele, denn gerade bei diesem Punkt droht mich das schlechte Gewissen zu ersticken.

 

Am Ende des Tages und gerade, wenn eine solch harte Phase vorbei ist, bin ich einfach nur froh, ein gesundes Baby zu haben. Die schlimmen Momente vergessen wir beide schnell. Wir wachsen daran und sie schweissen uns zusammen. Mein Lohn ist ihr Lächeln, aufrichtig und nicht käuflich. Ich liebe meinen Mama-Job und würde ihn mit nichts auf der Welt eintauschen wollen. Aber es ist ganz ehrlich der härteste Job der Welt.

 

Bild © Hotel Mama Mia

 

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