DIE GOLDENE MILCHKUH: ÜBER STILLPROBLEME UND ALTERNATIVE BABYERNÄHRUNG

21.05.2018

 

Stillen. Für mich eine der schönsten und zeitgleich frustrierendsten Sachen als frischgebackene Mama. Und noch immer eines der umstrittensten Themen unter Müttern, Ärzten und Hebammen. Ich erinnere mich gut daran, dass ich mich während der Schwangerschaft ganz arg auf das Stillen gefreut habe. In meinem Kopfkino sah ich mich mit meiner kleinen Perle im Kinderzimmer, auf einem Sessel, gedimmtes Licht, nur wir zwei. Ein inniger Mama-Perle-Moment. Sie nährte sich gut und ich war stolz. Stolz auf mich, denn ich konnte es: Stillen.

 

Die Wahrheit ist, in der Theorie war mein Kopfkino wesentlich befriedigender als in der Praxis. Da unsere Perle ein paar Wochen zu früh geboren wurde hatte sie zu wenig Kraft, um ausreichend von der Brust zu trinken. Vom Abpumpen zum Hütchen bis hin zum Stillen habe ich alles versucht. Nichts hat geholfen. Alle anderthalb bis zwei Stunden schrie unsere Perle ums Überleben, weil sie Hunger hatte. Schlafen? Was ist das? Tag und Nacht lief ich wie ein Zombie in der Wohnung herum und konnte meine Prellungen vom "in-die-Türe-laufen" schon gar nicht mehr zählen. Meine Nerven lagen blank. Und die meiner kleinen Perle auch. Mein Mann wollte mir so gerne helfen, doch er konnte nicht. Wie denn auch? Sollte er ihr seine Brust geben? Wäre ja gelacht.

 

Nach acht frustrierenden Wochen musste ich mir schliesslich eingestehen, dass das Stillen doch nicht das Wahre ist. Unsere Perle nahm nicht zu, ich hatte Augenringe bis zum Boden, unser Hund hatte einen halben Hörschaden vom vielen Geschrei unserer Perle und mein Mann musste ein paar Nächte auf dem Sofa schlafen, damit er wenigstens ein paar Stunden Schlaf bekam, bevor er wieder zur Arbeit musste. Kurzum, wir haben mit neuen Wochen auf Babynahrung umgestellt. Der Unterschied war enorm: Endlich war unsere kleine Perle satt und schlief ein paar Stunden am Stück. Ich konnte bald wieder ohne Schminke aus dem Haus und auch die Beziehung mit meinem Mann glich wieder mehr einem Eheleben statt einer Wohngemeinschaft. Halleluja!

 

Das Schlimmste an dieser zweimonatigen Übung war, dass ich ständig das Gefühl hatte, zu versagen. Als Mama wie als Nahrungsquelle. Dieses Gefühl wurde noch verstärkt, in dem ich von ausssen Sätze wie "Oha, du stillst nicht?" oder "Was, du hast nach zwei Monaten schon abgestillt?" oder "Du weisst schon, dass Stillen das Beste für dein Baby ist." zu hören kriegte. Notabene alles von Personen, die entweder absolut keine Probleme mit dem Stillen hatten oder noch besser, Personen die gar keine Kinder haben. Wieso muss ich mich überhaupt erklären? Ich bin doch keine goldene Milchkuh!

 

Rückblickend betrachtet kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich es versucht habe und meiner Perle zwei Monate lang meine Abwehrkräfte für ihr Immunsystem übertragen konnte. Ich schätze mich glücklich, eine Kinderärztin und eine Hebamme an meiner Seite zu haben, die mich in meinem Entschluss zum Abstillen bestärkt haben. Denn leider weiss ich aus meinem näheren Umfeld, dass diese Einstellung bei Fachspezialisten eher eine Seltenheit ist und je nach "Schule" das Stillen immer noch in den Himmel gehoben wird. Ganz gleich, welche Opfer eine Mama dafür erbringen soll. Für uns als Familie zählt letztendlich nur, dass unsere Perle seit der Umstellung auf Babynahrung richtig gut gedeiht und rundum glücklich und zufrieden ist. Jetzt können auch Papa und die Omas unsere Perle füttern, was mir wiederum Freiraum verschafft, um zu meinen Pferden zu gehen, meine Freundinnen zu treffen oder schlicht und einfach nichts zu tun. Praktisch, oder? 

 

Meine Mama-Moral von der Geschichte: Hört auf Euer Herz und leidet keinen Schmerz. Ganz gleich, ob ihr Euch pro Stillen oder pro Babynahrung entscheidet, Ihr werdet die richtige Entscheidung für euer Baby und für Euch treffen. In diesem Sinne: Wohl bekomm's!

 

Bild © Hotel Mama Mia

 

 

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